Ethische Zielfunktionen…

…oder was es braucht, damit Künstliche Intelligenz zum Wohle aller Nutzen stiften kann.


Ein Gastbeitrag von Petra Augustyn, Entreprenesse mit Kompetenz im Bereich der Künstlichen Intelligenz,
www.ktschng.com

“Würde eine überlegene außerirdische Zivilisation die Botschaft senden „Wir werden in wenigen Jahrzehnten ankommen!“, würden wir dann einfach antworten: “Okay, sagt uns Bescheid, wir lassen dann mal das Licht an.“? Vermutlich nicht. Aber genau so gehen wir und so manche Politiker mit Künstlicher Intelligenz um.”
                                               Stephen Hawking, britischer Physiker und Astrophysiker

Wir würden uns auf eine außerirdische Intelligenz vorbereiten – und das in der Gemeinschaft. Warum dann nicht auch auf eine Künstliche? Wenn eine superintelligente Maschine je existieren sollte, dann wären die Implikationen für die Menschheit immens. Selbst wenn nur eine sehr geringe Chance besteht, dass derartige Maschinen in absehbarer Zeit entwickelt werden könnten, ist es wichtig, dass wir anfangen, ernsthaft über die Natur und die Implikationen nachzudenken.

Ethische Zielfunktionen

Shane Legg, einer der Gründer von Deep Mind, entwickelte ethische Zielfunktionen, um bestimmten, ungewünschten Tendenzen entgegenzuwirken. Er empfiehlt den Regierungen, ethische Richtlinien in den Verfassungen festzuschreiben. Künstliche Intelligenz sollte staatlich beaufsichtigt werden, wie Atomkraft, um sich optimal zum Wohle aller nutzen zu lassen.

Hier einige Ansätze aus diesen ethischen Zielfunktionen:

  • Die Menschenwürde muss auf die persönlichen Daten erweitert werden
  • Grundrechte für Datensubjekte (also den Menschen, die KI-Systeme nutzen – im Unterschied zu Datenobjekten, den PCs, und Maschinen)
  • Verkauf persönlicher Daten an Dritte ist zu verbieten, oder es müssen entsprechende Gegenleistungen geboten werden.
  • Die Privatsphäre muss unantastbar und sensorfrei bleiben, es sei denn einem Datenabgriff wird explizit zugestimmt.
  • Es müssen internationale Algorithmen-Abkommen geschlossen werden, die ausländischen Organisationen den Zugriff auf persönliche Daten nur aufgrund von expliziten Gesetzen, Beschlüssen, Verträgen gestatten.
  • Der Export von Spähsoftware muss verboten werden.
  • KI Forscher müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein, die eigene Geschichte verstehen und Aufklärungsarbeit leisten.
  • Aufklärung über Daten gehört in den Schulunterricht
  • Die Sensibilität der gesamten Bevölkerung zum Thema muss erhöht werden.
  • Zivile Organisationen sollten die technologische Revolution nicht jenen überlassen, denen die Demokratie gleichgültig ist, oder die sie als Hemmnis beachten.
  • Und das aller Wichtigste: eine nichtstaatliche Organisation muss dieses Thema anpacken und   auf die Agenda setzen

In einem Blog-Interview anlässlich des Confare Event #Digitalize 2016 – Industrial Innovation, habe ich auch Stellung zu gesellschaftlichen und ethischen Fragestellungen und den Zielfunktionen genommen. Mehr dazu auch hier: http://confare.at/kuenstliche-intelligenz-und-robotik-ist-der-mensch-ersetzbar/

Ohne Blick in die Glaskugel

Was uns jedenfalls bis 2040 ins Haus stehen könnte – ohne in die Glaskugel blicken zu wollen – sind

  • Automobile ohne Fahrer
  • Intelligente Zeitungen (durch flexibles elektronisches Papier)
  • Internet Kontaktlinsen (Virtual Retinal Display)
  • persönliche Roboterassistenten
  • Roboterchirurgen, die knifflige Handgriffe bei Operationen erledigen, die der Mensch nur schwer ausführen kann (bei Operationen am Gehirn zum Beispiel)
  • Telepathie, Brain Gate etc. etc.
  • Quantencomputer

Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt in ihrer Studie aus 2017, dass sich mit der Automation von Wissen bis 2025 neun Billionen Dollar verdienen lassen. Die Schlüsseltechnologie dazu ist Künstliche Intelligenz. Mit Robotik, die ohne KI nur ein Haufen Blech wäre, prognostiziert man nochmalsechs Billionen und mit selbstfahrenden Autos weitere vier Billionen.

Roboter mit Gefühlen

Wissenschaftler verstehen mittlerweile das wahre Wesen und die Wichtigkeit der menschlichen Emotion. Gefühle sagen uns, was gut für uns ist und was nicht. Tatsächlich haben sich all unsere Emotionen im Laufe von mehr als 100.000 Jahren entwickelt, um uns vor den Gefahren einer feindlichen Umwelt zu schützen, uns zu helfen und uns fortzupflanzen. Gefühle sind also ein wichtiger Wert, um Entscheidungen darüber zu treffen, was wichtig, teuer, billig, hässlich oder hübsch und kostbar ist. Daher verstehen Wissenschaftler mittlerweile, dass Gefühle kein Luxus sind, sondern ein unabdingbarer Indikator für Intelligenz.

Roboter mit Gefühlen könnten eine Sache von Leben und Tod sein: ein Rettungsroboter wird vorgeschickt, wenn es um Erdbeben, Explosionen etc. geht. Diese Roboter werden eine Vielzahl von Werturteilen treffen, in Hinblick auf wen oder was sie retten und in welcher Reihenfolge. Sie werden lernen müssen Prioritäten zu setzen. Ethische Zielfunktionen für derartige Entscheidungen werden dann nicht von Informatikern erarbeitet werden, sondern im Vorfeld von Philosophen, Theologen, Soziologen und Psychologen. Politiker werden die Aufgabe haben, ethische Zielfunktionen in die Verfassungen zu bringen. Denn: künstliche Intelligenz muss staatlich geregelt sein, um einen optimalen Nutzen stiften zu können. Zum Wohle aller.

Petra Augustyn, Expertin für Künstliche Intelligenz und Entreprenesse, www.ktschng.com

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Das Revival der Tugend

Die Tugend wohnt im Herzen und sonst nirgends.
Voltaire.

Tugenden hatten früher einen hohen Stellenwert. Heutzutage klingt das Wort verstaubt und man bedient sich lieber dem Begriff  Wert. Es gibt aber gute Gründe, warum Tugenden wieder in Mode kommen.

Wie jedes Jahr, haben wir für den Wiener Leadership Kongress 2017 eine Vertreterin aus der Wissenschaft eingeladen. Diesmal wird es Judith Klaiber sein. Sie ist Dissertantin an der Universität Wien und als Theologin beschäftigt sie sich aus dem Blickwinkel der Philosophie und Theologie mit dem Thema Führung. Dabei geht es auch um die Tugenden. Das finden wir äußerst spannend und haben Judith schon im Vorfeld zum Kongress zum Interview gebeten:

In deiner Dissertation beschäftigst du dich damit, wie Führungskräfte ihre Entscheidungen fällen? Was interessiert dich persönlich an diesem Thema?

Salopp formuliert: Ich mag Menschen. Ich finde es hochspannend, wie Menschen sich ihre Welt erklären und zurechtlegen, mögliche Widersprüche glätten oder aushalten, woran sie sich orientieren, was wichtig für sie ist, wonach sie handeln. Gleichzeitig stehen wir als Menschen ja immer schon in diesem relationalen Spannungsverhältnis von „führen und geführt werden“.

Zudem ist ein biographisches Erlebnis im Zusammenhang der Pensionierung meines Vaters ausschlaggebend: da habe ich mich gefragt, was eigentlich mit der Menschlichkeit in Unternehmen passiert ist.

Was macht uns Menschen „handlungsfähig“?

Diese Frage hängt damit zusammen, was damit gemeint ist, ein gutes, gelingendes Leben zu führen, also wonach wir und damit auch unsere Handlungen streben. Was unser Ziel ist.  In der Tradition spricht man beim Ziel gerne von Glück.

Handlungsfähig werde ich dann, wenn ich einen klaren Orientierungsrahmen für mein Handeln habe und wenn mir mein Ziel bewusst ist. Klassisch wird das mit der sogenannten Güterlehre beschrieben, unter Güter fallen Konzepte wie z.B. Freiheit, Gerechtigkeit, Verantwortung, auch Bildung. Solche Konzepte kann man für sich mit Fragen erörtern: Was ist mir wichtig? Woran hänge ich mein Herz? Was will ich, dass ich am Ende sagen kann: „Es war gut so“? Also die alte Frage, was ein gutes Leben für mich ist. Die Beantwortung dieser Frage versuchen wir dann wiederum bestmöglich durch unsere Handlungen zu erreichen. Sozusagen ein Übergang von Haltung zu Verhalten. Ein permanentes sich hinterfragen: vielfältigste Fragen für die Gestaltung meines Lebens stellen und damit auch die herausfordernde Komplexität von Kontexten, in denen wir immer schon stehen, sichtbar machen.

Und abstrakter: Die Bewusstseinsbildung und Internalisierung von einer Güter-Hierarchisierung und deren Verhältnis zueinander, die ich dann anderen transparent kommunizieren können muss und die für mich gleichzeitig auch lebbar sind, die ich umsetzen kann.

Du beschäftigst dich u.a. mit Tugenden. Was unterscheidet eine Tugend von einem persönlichen Wert?

Vor 2000 Jahren schrieb Aristoteles in seinem Klassiker „Nikomachische Ethik“, dass wir, um dieses Ziel eines guten Lebens zu erreichen, Tugenden benötigen. Dieser Begriff hat einen angestaubten Charakter, wirkt darin aber vielleicht auch gerade deshalb attraktiv. Suggeriert er doch eine klare personale Disposition, eine Veranlagung hin zum Guten. Der Begriff der Tugend bezeichnet eine menschliche Eigenschaft, die wir als moralisch gut verstehen. Der Tugendbegriff ist dabei aber nicht von der Person zu lösen, kann also nicht alleine für sich stehen. Er bezeichnet ein vorbildliches Verhalten, eine Eigenschaft, letztlich den Charakter, den wir als moralisch gut oder schlecht beurteilen. Tugenden kommen dem Menschen zu, sind also seine subjektiven, persönlichen Attribute, das, was den Menschen individuell ausmacht.

Der Wertebegriff hingegen ist momentan irrsinnig schillernd und in aller Munde: Manche sagen, es ist das Wünschenswerte, ein Ausdruck für Präferenzen, andere sagen es ist ein bloßer Container-Begriff und damit eine Worthülse. Oder aber es ist ein Welterklärungsmodell, nachdem philosophisch-religiöse Modelle ihre Bedeutung und Relevanz verloren haben. Wieder andere sagen, wir brauchen Werte für das Zusammenleben, obwohl es die Werte an sich gar nicht gibt. Auch finden wir eine Vielfalt an Werten vor, die teilweise im Widerspruch zueinander stehen und deren Verhältnis zueinander nicht geklärt ist. Werte übernehmen letztlich eine gewisse Funktion zur Bewältigung von Begebenheiten, wie z.B. Gemeinschaftsprozesse, Konfliktbeschwichtigung, Legitimationen, aber auch Abgrenzung.

Ursprünglich ist es ein ökonomischer und damit messbarer, quantifizierbarer Begriff, aber auch aus dem medizinischen Bereich bekannt. Philosophiegeschichtlich betrachtet ist der Werte-Begriff mit gerade einmal 200 Jahren überaus jung und beschreibt eine Art Zwischendimension zwischen dem hochabstrakten Guten und den persönlichen Tugenden. Dadurch wurde die Frage nach dem Guten geschichtlich greifbarer und darin letztlich überholt.

Was irritiert ist, dass dieser Wertebegriff überaus positiv konnotiert ist und in Diskussionen kaum mehr begründet oder erklärt werden muss, obwohl niemand so recht weiß, was er denn jetzt genau beinhaltet. Er ist fast zu einem Totschlagargument geworden, á la „hier stehe ich und kann aufgrund meines Wertes nicht anders.“

Warum sollten Tugenden einen Stellenwert in der Führungsarbeit haben?

Tugenden haben einen gewissen Anstrich einer klaren Handlungsanweisung in Richtung des Guten: „Tue x und das gute y passiert.“ In der Gebrauchsanweisung für meinen Geschirrspüler steht z.B. dass man Salz in den Behälter füllen soll, damit die Maschine möglichst lange gut funktioniert und das Geschirr blitzblank wird. Jetzt sind (professionelle) Beziehungsgefüge, mit denen wir im beruflichen Kontext zu tun haben, nicht unbedingt so leicht und easy zu handeln wie mein Geschirrspüler. Manchmal ist Salz nicht genug und ein bisschen Kalk im Getriebe. Wenn ich es aber in meiner Führungsarbeit schaffe meine eigene klare Linie zu zeichnen, so dass es klar ist, wie und wonach ich handle, was meine Eigenschaften sind, können sich die involvierten Personen gegenseitig besser einschätzen und mögliche Konsequenzen bereits im Vorfeld antizipieren. Und bei der Entwicklung dieser klaren Linien können Tugenden helfen, wenn ich sie für mich bewusst habe, wenn ich um meine Eigenschaften weiß, und weiß, woran ich mein Tun orientiere und wonach ich mich letztlich auch beurteilen lasse.

Welche Bedeutung haben Emotionen in der Führungsarbeit?

Emotionen bringen etwas in Bewegung und packen den Menschen mit all seinen Sinnen. Ich persönlich fand es für mich hilfreich zu realisieren, dass ich auf einer spirituellen Ebene die Woche nicht mit dem (möglicherweise unbeliebten) Montag beginnen lasse, sondern mit dem Sonntag: einer Feier der Muße, dem Fest von Stillstand, der Zelebration von „passt schon“. Und genau durch dieses Moment des Inne-Haltens kommt aber so einiges für die kommende, anstehende Woche erst so einiges richtig in Bewegung. Somit können Emotionen dazu beitragen, dass ich meine Wahrnehmung schärfe und achtsamer werde und gleichzeitig aber auch meine Gefühlslage einschätzen kann. Auf diese Weise kann ich die anstehende Arbeitswoche mit den gebotenen Herausforderungen gut gestalten. Dabei versuche ich, meinen KollegInnen und Mitarbeitenden gerecht zu werden und gleichzeitig aber auch auf meine Ziele hinzuarbeiten – auf die des Unternehmens gleichermaßen wie die meines Lebens.

Vielen herzlichen Dank für das interessante Gespräch, liebe Judith.

Tugend ist die moralische Stärke in Befolgung seiner Pflicht, die niemals zur Gewohnheit werden, sondern immer ganz neu und ursprünglich aus der Denkungsart hervorgehen soll.
Immanuel Kant

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Platz für Individualität

In der Arbeit mit ehemaligen Führungskräften und hochqualifizierten Frauen, die sich entweder eine längere Auszeit genommen haben oder aus anderen Gründen wieder auf Arbeitssuche sind, erlebe ich oft, welchen Stellenwert „Arbeit“ bekommen kann, wenn man gerade keine hat. Und das nicht nur des Geldes wegen. Ein Thema scheint beispielsweise zu sein, die Zeit des „Nicht-Arbeitens“ im Lebenslauf durch kreative Formulierungen zu verbergen. Denn nach wie vor wird eine längere Arbeitssuche vielerorts als persönlicher Makel eingestuft. Lebensläufe sollten einem gewissen Schema entsprechen, das ist eine immer noch verbreitete Sichtweise. Platz für Individualität ist meist nur dann „erwünscht“, wenn es sich um Ausbildungen oder Auslandsaufenthalte handelt. Welchen Wert diese Zeit der Arbeitsuche für die Individualität haben kann, wird dabei leider oft vergessen. Eine (idealerweise) gutbezahlte, angesehene Arbeit zu haben, ist scheinbar nach wie vor etwas, worüber wir uns als Gesellschaft definieren. Also schaffen wir uns gerne Fassaden um diesem Bild zu entsprechen.

Unser Business-Leben bietet den perfekten Rahmen, solche Fassaden zu erreichten: dunkle Anzüge, schicke Kostüme, teure Designerartikel, erlesene Firmenautos, wichtig klingende Jobtitel, die neuesten Gadgets für die mobile Kommunikation, „Connections“: wer etwas auf sich hält, etwas verkörpern und „dazugehören“ will, versucht diesen „Prinzipien“ zu folgen. Wir definieren uns als Gesellschaft über Aussehen, Titel, Geld und Besitz und jeder Menge Oberflächlichkeiten. Wer da nicht mithalten kann, hat Pech gehabt. So einfach scheint das zu sein. Unsere Individualität bleibt da meist auf der Strecke. Weil unser (Business-)Leben das scheinbar erfordert. Noch.

Wir lassen uns also gerne davon blenden, was wir sehen und hören. Was steht hinter den dunklen Anzügen, teuren Autos und klingenden Jobtiteln? Was versuchen wir darzustellen, was wir vielleicht gar nicht sind? Was wollen wir zu verbergen? Welchen Nutzen liefert uns die Fassade? Vorrangig ist es wohl Sicherheit und Wertschätzung, die wir uns daraus erhoffen. Fällt die Fassade allerdings weg – durch Pension, Jobverlust, Krankheit oder Konkurs – dann ist es für viele schwierig, diese Sicherheit und Wertschätzung aus sich heraus zu schaffen und die eigene Individualität wieder zu entdecken.

Interessanterweise gibt es immer mehr Menschen, die keine Lust mehr auf Fassade haben, allen voran die vielzitierte Generation Y. Die jungen Leute wollen keinem Bild entsprechen, das sie nicht sind, sich nicht in enge Korsetts und Vorgaben zwängen lassen, sondern sich so entfalten, wie sie sind. Und wir als Generation 40+ können das gut nachvollziehen,- haben nicht zuletzt viele von uns erst durch ein Burnout oder eine komplette Neuorientierung erkannt, welche Fassade wir jahrelang aufrechterhalten haben bzw. was uns wirklich entspricht. Und trotzdem fällt es uns nicht immer ganz leicht, diese neue Entwicklung der Jungen, mitzutragen: „wir konnten ja schließlich auch nicht immer so, wie wir wollten und mussten nehmen, was da war…“  Interessante Sichtweise, die ich auch in Karrierecoachings immer wieder beobachte.

In einem meiner Leadership-Workshops ging es kürzlich um das Thema Eigenverantwortung. Im Laufe des Tages entbrannte eine Diskussion darüber, was man im Business von sich zeigen dürfe und was nicht. Eine Teilnehmerin meinte, dass sie froh wäre, dass andere nicht wüssten, wie es ihr ginge und wie es beruflich und privat um sie stünde. Sie meinte, es wäre bisher nur nachteilig für sie gewesen, wenn sie „sich gezeigt“ hätte.

Das, was wir als Gesellschaft dringend brauchen, sind eine integre, individuelle Geisteshaltung und eine gelebte Ethik, die sich daraus ergibt. Keine oberflächlichen Worthülsen, keine Allgemeinplätze. Wenn es den gemeinsamen Wert der Individualität gibt und jeder von uns zu sich stehen kann und in seiner Individualität respektiert wird, braucht es keine Fassaden.

Unsere Gesellschaft wird sich verändern – nicht zuletzt durch die nachkommende Generation – und die herrschende kollektive Ordnung wird dem Wunsch nach Eigenverantwortung Platz machen. Die Zeichen dafür sind schon erkennbar. Crowd-Funding, Food-Kooperativen, Share-Economy oder viele neue Ein-Personen Unternehmen sind nur ein paar wenige Beispiele, die das wachsende Bedürfnis nach Selbstbestimmtheit und einem neuen Miteinander in unserer Gesellschaft untermauern. Wir sind Gott sei dank mitten in dieser Veränderung. Die Frage, die bleibt ist, ob wir es als Gesellschaft schaffen, unsere Integrität und Individualität an die Oberfläche zu bringen und dadurch ein neues, ehrliches und vor allem eigenverantwortliches Miteinander zu ermöglichen. Jeder und jede von uns kann dazu etwas beitragen. Wir dürfen in jedem Fall gespannt sein.