Mit der Firma Seinfeld Professionals wurde 2012 ein Unternehmen gegründet, bei dem das moderne Arbeiten im Mittelpunkt steht. Northcote.Recht ist eine Anwaltskooperation und die erste Unternehmung von Seinfeld. Hier wird Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten ein modernes Arbeitsumfeld in Form eines neuen Business Modells geboten, das den AnwältInnen und ihren MandantInnen Zeit und Geld spart. Vor allem zielt das Geschäftsmodell auf jene Anwälte ab, die aus dem üblichen 80-Wochenstunden-Rad mit viel Verwaltungsaufwand ausbrechen wollen. Mag. Sophie Martinetz, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von Seinfeld Professionals, erzählt Karin Weigl über Ihr Anliegen einer zeitgemäßen Arbeitswelt und die Hintergründe etwas anders zu machen.

Sophie, was war dein Beweggrund Northcote.Recht zu gründen und was ist bei euch anders?
Die derzeitige Arbeitswelt ist aus den Fugen und wir leben in einer Umbruchszeit. Und da ich nicht auf die oft bemühte Generation Y, die uns irgendwann retten soll, warten will, verändern wir schon heute mit neuen Strukturen die Arbeitswelt.
Wir haben das Unternehmen gegründet, um mit gutem Beispiel voran zu gehen und etwas zu verändern. Und das können wir dann am besten, wenn wir als Unternehmen Flexibilität und Selbstbestimmtheit leben. Das motiviert mich.
Wir leben eine flache Struktur, keine Pyramide mit flexiblem Arbeitsmodell. Die Seinfeld Professionals ist für alle nicht-anwaltlichen Tätigkeiten zuständig, also Büro, IT und Support, Marketing, Corporate Identity, Mitarbeiter etc. Wir managen das effizient und mit Leidenschaft. Und der Rechtsanwalt konzentriert sich auf das Wesentliche, auf seine Mandanten.

Wie gehen eure potenziellen Kunden (Rechtsanwälte/ Juristen) mit eurem Angebot um?
Rechtsanwälte sind ja selbst UnternehmerInnen. Sie schätzen das professionelle Umfeld, den unkomplizierten Austausch mit KollegInnen und dass sie sich die Grenze selber setzen können. Ihr einziger Chef ist der Mandant. Und sie lieben unsere “No internal Politics”-Kultur. Man glaubt ja gar nicht, wie viel Energie und interne Kapazitäten auf solche Politics in herkömmlichen Unternehmen verschwendet werden können.

Was macht deiner Meinung nach einen attraktiven Arbeitgeber aus?
Selbstbestimmung und Verantwortung für seinen Bereich zu haben. Und die Rahmenbedingungen, um sich eben erwachsen und gleichwertig zu verhalten. Viele Unternehmen behandeln Mitarbeiterinnen beinahe wie Kinder in dem sie sie kontrollieren. Aber meine Erfahrung ist, dass MitarbeiterInnen wählen gehen dürfen, Kinder erziehen und auch meist selbständig eine Ausbildung absolviert haben. Also ganz genau wissen, wie man sich erwachsen verhält. Gute Unternehmen behandeln MitarbeiterInnen wie Erwachsene. Eigentlich ganz einfach.

Was wird ein erfolgreiches Unternehmen in Zukunft auszeichnen?
Sich die Zeit zu nehmen langfristige, strategische Entscheidungen zu treffen und nicht einfach nur kurzfristig optimierte, taktische Ziele zu verfolgen. Der Kunde und seine Bedürfnisse rücken wieder ins Zentrum. Es wird auch erforderlich sein, sich auf neue Lebensrealitäten einzustellen, die dem oberen und mittleren Management heute noch oft fremd sind. Wie z.B., dass für viele Menschen Geld ein „Ermöglicher“ ist, aber nicht alles, dass Frauen sehr gut ausgebildet und erfahren sind UND eine Familie haben wollen und, dass Männer auch an dem Leben, dass abseits des Berufsleben stattfindet zunehmend Interesse zeigen. Die Welt hat sich einfach verändert. Das 20. Jahrhundert ist vorbei.

Was wird eine Führungskraft in Zukunft auszeichnen?
Verantwortung zu übernehmen und auch zu übertragen und nicht zu glauben, dass in dieser “neuen” Arbeitswelt die persönliche Verantwortung wegdelegiert werden kann. Denn genau das bedeuten flache Strukturen nicht. Das ist eine große Veränderung besonders, wenn es bisher gereicht hat, die Arbeitszeiten und die physische Anwesenheit von MitarbeiterInnen vorzugeben und zu kontrollieren.
Unternehmen, die Leistung und nicht Netzwerken (vor allem internes) in den Vordergrund stellen werden erfolgreich sein. Und Führungskräfte mit ihren Teams erbringen dort, wo sie klare Rahmenbedingungen haben, bessere Ergebnisse.

Wo hat die Arbeitswelt derzeit in deinen Augen Handlungsbedarf?
Die Arbeitswelt orientiert sich an einem männlichen Arbeitsbegriff aus dem letzten Jahrhundert: Arbeit ist anstrengend und sie muss lange dauern – dann ist sie wieder anstrengend. Die Frauen haben ja schon Auswege aus dieser Arbeitswelt gefunden (aber oftmals sehr zu ihrem Nachteil) indem sie die Arbeitszeiten reduzieren und dadurch auch inhaltlich oft nicht weiter kommen bzw. nicht als genug „committed“ wahrgenommen werden, dadurch in den Unternehmen nicht aufsteigen und oft auch nicht zu den dort herrschenden Bedingungen aufsteigen wollen. Wenn es für Männer und Unternehmen normal und akzeptiert sein wird, Privatleben und Arbeitsleben zu verbinden, ist viel erreicht.

Fotocredit: Marlene Rahmann