In der Adventzeit rennen viele von uns noch schnell zu Terminen, Weihnachtsfeiern und zum Weihnachtsshopping. Rundherum wird zu viel gehetzt, gearbeitet, gegessen, gekauft, geschenkt…als gäbe es nach den Weihnachtsfeiertagen kein Leben mehr.

Gerade in der Zeit um den Jahreswechsel, wird in den Geschäften und Lägern Inventur gemacht. Aber auch viele Menschen nutzen diese Zeit der Rauhnächte, um in sich zu gehen, das Jahr abzuschließen und Resumée zu ziehen. Dabei stellt sich vielen die Frage des „Zuviel“, oder des „Zuwenig“. Ob es denn auch genug war, was man geleistet und gegeben hatte? Und oftmals bleibt ein unbefriedigendes Gefühl zurück.

Zu wenig?! Zu viel?!

Wann haben wir endlich erreicht, was wir anstreben? Wann ist es eigentlich genug? Wann können wir uns zufrieden zurücklehnen und genießen, was ist? Vielen gelingt das nur noch sehr selten. Meist sind wir müde und abgehetzt oder haben den Kopf voll mit tausend Dingen. Dabei entgleiten uns die Momente des Innehaltens, des Zurücklehnens und des Genießens. Die Zufriedenheit für unsere persönlichen Erfolge stellt sich nicht ein, weil so oft das Gefühl zurückbleibt, dass es zu wenig war. Zu wenig, was wir besitzen, zu wenig, was wir geleistet haben, zu wenig Zeit, die wir uns genommen haben, zu wenig Disziplin an den Tag gelegt zu haben…die Liste kann man lange weiterführen.

Wir wollen das Beste aus unserem Leben herausholen und unterliegen dabei oft dem Irrglauben, dass wir mehr bekommen und wichtiger und wertvoller für andere werden, wenn wir mehr tun. Dabei vergessen wir auf das Sein.

Dazu eine kleine Geschichte zum Innehalten:

Vor langer Zeit im alten China wollte der Kaiser einen loyalen Untertanen für seine Pflichtbewusstheit belohnen. Der König gewährte dem einfachen Mann das Recht, ein Stück Land zu definieren, das dann in seinen Besitz übergehen würde. Alles was er dafür zu tun hatte, war, das Gebiet zu Fuß abzugehen, um dadurch die Grenzen festzulegen. Danach solle zum Kaiser zurückzukehren, um sein Land übertragen zu bekommen.

Der Mann machte sich auf den Weg und legte am ersten Tag 3 Meilen zurück. Als er sich umwandte, um zum Palast des Kaisers zurück zu kehren, den er in der Ferne erblicken konnte, änderte er seine Meinung. Vielleicht würde er einfach noch ein Stückchen weiter gehen, nur so weit, wie das Auge reichte? Eine Woche später hatte er diese Distanz zurückgelegt. Aber was wäre, dachte er, wenn eine Dürre oder Flut käme? Vielleicht wäre es doch besser noch weiter zu gehen, um auch genügend Land für die Landwirtschaft UND die Fischerei zu haben? Und vielleicht sogar noch Wald, um jagen gehen zu können?

1 Jahr später hatte er auch diese Ziele erreicht. Als er sich aufmachte, um zum Schloss zurückzukehren und den Kreis zu schließen, fielen ihm seine Kinder ein. Wäre denn das bereits abgegangene Gebiet auch groß genug, um seine Kinder und weitere 10 Generationen nach ihm zu versorgen? Vielleicht wäre es gut, wenn sie Zugang zum Meer hätten, falls sie Seeleute und Handelsreisende werden wollten? Er ging weiter und weiter. Er war schon sehr sehr müde geworden, trotzdem ging er immer weiter – angetrieben und inspiriert vom Wissen, dass jeder Schritt seinen Besitz vergrößern würde.

10 Jahre nachdem er sich auf den Weg gemacht hatte, trat er den Heimweg an. Er war in der Zwischenzeit ein alter, erschöpfter Mann geworden. Als er den Palast des Kaisers betrat, fiel er tot um und hatte keine Gelegenheit seinen so mühsam ergangenen Besitz in Empfang zu nehmen. Seine ehrgeizigen Ansprüche, die er sich immer höher und immer weiter gesteckt hatte und der Antrieb, dass es nie genug war, hatten ihn schließlich umgebracht. Seine Kinder hatten ihn 10 Jahre nicht gesehen und schließlich auch kein Land. Und auch er hatte keine Sekunde des süßen Lebens genießen können, dass er sich auf seinem Fußmarsch ausgemalt hatte.

Erfolg ist nicht das Eine oder die unendliche Vielzahl an Dingen, die wir erreicht haben, Güter, die wir besitzen, Menschen die wir kennen oder Wissen das wir haben. Das Gefühl des Erfolgs stellt sich dann ein, wenn wir innerlich zur Ruhe kommen und einfach genug ist, was ist.

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