Luise Tremel

(Selbst-)Deprivilegierung: wie ein neuer Umgang miteinander funktionieren kann.

Jeder von uns hat verschiedene Privilegien: in der Arbeit, in der Familie im Freundeskreis. Das Privileg zu führen ist nur eines von vielen, wie sie uns in der Wirtschaft begegnen. Es ist immer noch so, dass Führungskräfte eine besondere Stellung haben und es sich oftmals zu ihren Gunsten “richten“ können. Der Umgang mit Privilegien ist aber nicht nur als Führungskraft ein Thema.

Luise Tremel forscht zur Frage, wie sich Gesellschaften in der Vergangenheit aus Strukturen gelöst haben, die einerseits mit erheblichen Profiten verbunden waren, aber andererseits als problematisch erkannt wurden. Es geht ihr also, kurz gesagt, um das freiwillige Ablegen eigener Privilegien – um Selbst-Deprivilegierung. Material zur Beantwortung dieser Frage liefert ihr der historische Fall der Abschaffung der Sklaverei – als erfolgreicher Prozess einer gesamtgesellschaftlichen und rechtsverbindlichen Abkehr von unverantwortbar gewordenen eigenen Privilegien.

Nun soll traditionelle Führung nicht mit der Sklaverei gleichgesetzt werden, und der Wandel hin zu agilen Arbeitsstrukturen nicht mit ihrer Abschaffung. Dennoch lässt sich die gegenwärtige Neustrukturierung von Führung als Prozess der Deprivilegierung bzw. Neuverteilung von Privilegien begreifen.

Luise Tremel wird deshalb einige Erkenntnisse zu Deprivilegierungsprozessen zur Diskussion stellen, die auch im Kontext zeitgemäßer Führung relevant sein dürften.

Zur Person

Luise Tremel, 35, ist Transformationsforscherin und Unternehmerin. Die Dynamiken langfristiger gesellschaftlicher Veränderungsprozesse stehen im Mittelpunkt ihrer Forschungsarbeit am Norbert Elias Center for Transformation Design and Research der Europa-Universität Flensburg. Sie ist Fellow und war Redakteurin der FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit, die sozial-ökologische Veränderungspioniere in Deutschland und der Welt porträtiert.

Als Ko-Geschäftsführerin des Start-ups INJU arbeitet sie aktuell daran, eine Kultur der geteilten und fluide wechselnden Verantwortung auch in der Unternehmensform zu verankern. Jenseits absurder Einzelprofite, aber durchaus mit Wertschätzung individueller Leistung und Verantwortung soll ein Unternehmen entstehen, das so funktioniert wie ein Ökosystem.

Luise Tremel studierte Geschichte und Literaturwissenschaften in Harvard und London und lebt in Berlin.

Fotocredit: FUTURZWEI-Jens Gyarmaty