Georg Gaugusch

Die tägliche Entscheidung, Traditionen zu brechen und sie dennoch zu bewahren.

Für die meisten Menschen ist es unvorstellbar, etwas zu machen, was die meisten anderen Menschen nicht brauchen. Mainstream lautet die Devise, denn er scheint sicheres Geschäft zu versprechen. Ist dem wirklich so?

Als Gesellschaft wollen wir es bequem und günstig haben. Wir wollen den Basic-Tarif zahlen und das Premium-Produkt dafür bekommen. Das Einkaufserlebnis vor Ort in einem Geschäft ist für viele weniger wichtig geworden. Vom Sofa aus einzukaufen und der Trend, sich Dinge auszuborgen statt zu besitzen, tun das Ihre dazu.

Nicht nur für UnternehmerInnen alteingesessener Betriebe bedeutet das eine große Anpassung und Veränderung. Das Kundenverhalten des Mainstreams hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Und statistisch gesehen ist es auch ungewöhnlich, dass ein Unternehmen länger als zwei Generationen überlebt. Neben familiären Themen vor allem auch deshalb, weil oftmals Trends zu schnell gefolgt wird.

Wie schafft es also Wilhelm Jungmann und Neffe, ein Wiener Familienunternehmen mit einer mehr als 150jährigen Geschichte, immer noch zu florieren?

„Tradition kann nur dann gelebt werden, wenn man sie unentwegt bricht. Verharren in liebgewordenen Mustern allein ist keine Tradition, sondern Stillstand.”, sagt Georg Gaugusch, Geschäftsführer von Wilhelm Jungmann und Neffe, Chemiker und Historiker.

Zur Person

Georg Gaugusch ist Geschäftsführer des Manufakturwarenhändlers Wilhelm Jungmann & Neffe in Wien. Er ist zudem Chemiker und Spezialist für jüdische Genealogie.

Im Jahr 2005 übernahm er das 1866 gegründete Unternehmen von seiner Mutter und führt es seither als Anbieter von exquisiten Stoffen und Accessoires weiter. Der Markt ist ein globaler geworben – trotzdem muß man ein persönlicher Betrieb bleiben, eine nicht immer leichte Aufgabe.