Ethische Zielfunktionen…

…oder was es braucht, damit Künstliche Intelligenz zum Wohle aller Nutzen stiften kann.


Ein Gastbeitrag von Petra Augustyn, Entreprenesse mit Kompetenz im Bereich der Künstlichen Intelligenz,
www.ktschng.com

“Würde eine überlegene außerirdische Zivilisation die Botschaft senden „Wir werden in wenigen Jahrzehnten ankommen!“, würden wir dann einfach antworten: “Okay, sagt uns Bescheid, wir lassen dann mal das Licht an.“? Vermutlich nicht. Aber genau so gehen wir und so manche Politiker mit Künstlicher Intelligenz um.”
                                               Stephen Hawking, britischer Physiker und Astrophysiker

Wir würden uns auf eine außerirdische Intelligenz vorbereiten – und das in der Gemeinschaft. Warum dann nicht auch auf eine Künstliche? Wenn eine superintelligente Maschine je existieren sollte, dann wären die Implikationen für die Menschheit immens. Selbst wenn nur eine sehr geringe Chance besteht, dass derartige Maschinen in absehbarer Zeit entwickelt werden könnten, ist es wichtig, dass wir anfangen, ernsthaft über die Natur und die Implikationen nachzudenken.

Ethische Zielfunktionen

Shane Legg, einer der Gründer von Deep Mind, entwickelte ethische Zielfunktionen, um bestimmten, ungewünschten Tendenzen entgegenzuwirken. Er empfiehlt den Regierungen, ethische Richtlinien in den Verfassungen festzuschreiben. Künstliche Intelligenz sollte staatlich beaufsichtigt werden, wie Atomkraft, um sich optimal zum Wohle aller nutzen zu lassen.

Hier einige Ansätze aus diesen ethischen Zielfunktionen:

  • Die Menschenwürde muss auf die persönlichen Daten erweitert werden
  • Grundrechte für Datensubjekte (also den Menschen, die KI-Systeme nutzen – im Unterschied zu Datenobjekten, den PCs, und Maschinen)
  • Verkauf persönlicher Daten an Dritte ist zu verbieten, oder es müssen entsprechende Gegenleistungen geboten werden.
  • Die Privatsphäre muss unantastbar und sensorfrei bleiben, es sei denn einem Datenabgriff wird explizit zugestimmt.
  • Es müssen internationale Algorithmen-Abkommen geschlossen werden, die ausländischen Organisationen den Zugriff auf persönliche Daten nur aufgrund von expliziten Gesetzen, Beschlüssen, Verträgen gestatten.
  • Der Export von Spähsoftware muss verboten werden.
  • KI Forscher müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein, die eigene Geschichte verstehen und Aufklärungsarbeit leisten.
  • Aufklärung über Daten gehört in den Schulunterricht
  • Die Sensibilität der gesamten Bevölkerung zum Thema muss erhöht werden.
  • Zivile Organisationen sollten die technologische Revolution nicht jenen überlassen, denen die Demokratie gleichgültig ist, oder die sie als Hemmnis beachten.
  • Und das aller Wichtigste: eine nichtstaatliche Organisation muss dieses Thema anpacken und   auf die Agenda setzen

In einem Blog-Interview anlässlich des Confare Event #Digitalize 2016 – Industrial Innovation, habe ich auch Stellung zu gesellschaftlichen und ethischen Fragestellungen und den Zielfunktionen genommen. Mehr dazu auch hier: http://confare.at/kuenstliche-intelligenz-und-robotik-ist-der-mensch-ersetzbar/

Ohne Blick in die Glaskugel

Was uns jedenfalls bis 2040 ins Haus stehen könnte – ohne in die Glaskugel blicken zu wollen – sind

  • Automobile ohne Fahrer
  • Intelligente Zeitungen (durch flexibles elektronisches Papier)
  • Internet Kontaktlinsen (Virtual Retinal Display)
  • persönliche Roboterassistenten
  • Roboterchirurgen, die knifflige Handgriffe bei Operationen erledigen, die der Mensch nur schwer ausführen kann (bei Operationen am Gehirn zum Beispiel)
  • Telepathie, Brain Gate etc. etc.
  • Quantencomputer

Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt in ihrer Studie aus 2017, dass sich mit der Automation von Wissen bis 2025 neun Billionen Dollar verdienen lassen. Die Schlüsseltechnologie dazu ist Künstliche Intelligenz. Mit Robotik, die ohne KI nur ein Haufen Blech wäre, prognostiziert man nochmalsechs Billionen und mit selbstfahrenden Autos weitere vier Billionen.

Roboter mit Gefühlen

Wissenschaftler verstehen mittlerweile das wahre Wesen und die Wichtigkeit der menschlichen Emotion. Gefühle sagen uns, was gut für uns ist und was nicht. Tatsächlich haben sich all unsere Emotionen im Laufe von mehr als 100.000 Jahren entwickelt, um uns vor den Gefahren einer feindlichen Umwelt zu schützen, uns zu helfen und uns fortzupflanzen. Gefühle sind also ein wichtiger Wert, um Entscheidungen darüber zu treffen, was wichtig, teuer, billig, hässlich oder hübsch und kostbar ist. Daher verstehen Wissenschaftler mittlerweile, dass Gefühle kein Luxus sind, sondern ein unabdingbarer Indikator für Intelligenz.

Roboter mit Gefühlen könnten eine Sache von Leben und Tod sein: ein Rettungsroboter wird vorgeschickt, wenn es um Erdbeben, Explosionen etc. geht. Diese Roboter werden eine Vielzahl von Werturteilen treffen, in Hinblick auf wen oder was sie retten und in welcher Reihenfolge. Sie werden lernen müssen Prioritäten zu setzen. Ethische Zielfunktionen für derartige Entscheidungen werden dann nicht von Informatikern erarbeitet werden, sondern im Vorfeld von Philosophen, Theologen, Soziologen und Psychologen. Politiker werden die Aufgabe haben, ethische Zielfunktionen in die Verfassungen zu bringen. Denn: künstliche Intelligenz muss staatlich geregelt sein, um einen optimalen Nutzen stiften zu können. Zum Wohle aller.

Petra Augustyn, Expertin für Künstliche Intelligenz und Entreprenesse, www.ktschng.com

Fotocredit: Fotolia.com #70987133 © Inok

Rückblick: das war der Wiener Leadership Kongress 2017

Ein Veranstaltungsrückblick von Sascha Vogel, 4dimensions GmbH

“Wer übernimmt die Führung?”

Das war das Motto des 3. Wiener Leadership Kongress am 8. und 9. November 2017 im stylischen Novomatic Forum in Wien.

Keynote-Abend zum Auftakt

Den Auftakt am Vorabend des Kongresstages, gaben – wie bereits gewohnt – zwei Keynotes, deren Anregungen und Eindrücke anschließend bei einem Glas Wein und Knabbereien diskutiert und verarbeitet wurden.

Machen wir es wie die Kinder, spielen wir!

Ricarda Droop, Geschäftsführerin von WANDELZeit, stellte die Frage: Warum spielen wir eigentlich nicht im Business? und rückte damit den unbeschwerten und ergebnisoffenen Moment des Spiels in den Mittelpunkt der Führungsarbeit. Ebenso spielerisch übernahm die junge Jamila Tressel zeitweise den Vortrag. Sie berichtete uns über die Schule im Aufbruch (www.schule-im-aufbruch.de) und wie viel Begeisterung und Spiel dort für das Lernen erlebbar würde. Auch berichtete sie über ein Projekt, in dem Schüler Manager coachen. So geschehen in einigen namhaften deutschen Unternehmen. Die Sichtweise der Jugendlichen brachte dabei überraschend neue Impulse in die Arbeit der Führungskräfte, so das Feedback aus den Unternehmen. Den ihrer Keynote Abschluss macht natürlich ein Spiel. Dabei wurde Führung als das gerichtete Leiten von Kräften spürbar. Zu führen heißt also, Räume zuzulassen und folglich eine Offenheit für das Spiel der Kräfte zu schaffen. Mit einer überraschenden Dramaturgie ihre Keynote und einem spielerischen Wechsel zwischen den beiden Speakerinnen, polarisierten sie und erzeugten im Nachspann noch angeregte Diskussionen.

Im Spannungsfeld zwischen Eigenverantwortung, Führung und dem Abgeben der Führung an andere

Andreas Santner ist – neben seinem Brotberuf als Geschäftsführer der Salzburger Werbeagentur IGL –  seit 30 Jahren Vorstand der Salzburger Such- und Vermisstenhundestaffel. Diese ehrenamtliche Tätigkeit liegt ihm spürbar am Herzen. In seinem dynamischen und mitreißenden Vortrag beschrieb er, wie man eine Freiwilligenorganisation mit sehr begrenzten finanziellen Mitteln aber mit scheinbar unbegrenzten Idealismus führt. In Einsätzen bei denen es oft um Leben und Tod geht, bekommt Führung und Zusammenarbeit, die sich vorrangig an gemeinsamen Werten orientiert, eine existenzielle Bedeutung. Denn jedes Mal, wenn das Einsatzteam gerufen wird, herrscht eine Krise: jemand ist in den Bergen verunglückt. Und dann muss es schnell gehen. Die Kunst dabei ist es, im richtigen Moment selbst zu führen oder sich von den Hunden oder anderen Einsatzkräften führen zu lassen. Dazu gehört auch, dass man Verantwortung übernimmt und hilft, selbst wenn die Notlage des zu Rettenden von ihm/ ihr grob fahrlässig herbeigeführt wurde.

Der Kongresstag

Nachdem sich die TeilnehmerInnen durch den morgendlichen Wiener Verkehr gekämpft hatten, starteten alle gespannt in den Kongresstag, welcher nach bereits bewährtem Format ablief. Die vier ersten ImpulsgeberInnen stellten in jeweils 15 Minuten ihre derzeit größten Herausforderungen und Themen vor. Genauere Einblicke boten dann zwei je einstündige Dialogrunden, die zum Mitdiskutieren einluden.

Den Anfang machte Hans Gastenauer: Während wir oft am liebsten über die Erfolgsgeschichten von Unternehmen sprechen und von ihnen lernen wollen, zeigte uns Hans Gastenauer wie man im Worst Case – nämlich der konsequenten Liquidation einer Firma – führt. Dabei wird deutlich, dass gerade in Situationen in denen Mitarbeiter mit der Kündigung konfrontiert sind und die Verbleibenden „ihr eigenes Grab schaufeln“, die Frage nach dem Sinn, mehr denn je beantwortet werden will. Führung heißt dann vor allem, Einfühlungsvermögen zu beweisen und Angebote zur Beantwortung dieser Frage zu machen, um den Blick der Betroffenen auf „ein Leben danach“ zu richten sowie die rechtlichen Möglichkeiten zu Gunsten der Gekündigten bestmöglich auszuschöpfen.

Danach war Sabine Stortenbeek an der Reihe. Wenn Beziehungen zwischen Menschen die Führung übernehmen und wir Beziehung wörtlich nehmen, dann beinhaltet das den Bezug und damit immer auch ein Bezugnehmen auf unsere Mitmenschen. Damit beschrieb Sabine Stortenbeek den kontinuierlichen Prozess des relationalen Führens, welcher es immer wieder von neuem erfordert, die Perspektiven des Gegenübers einzunehmen und sich immer wieder mit den eigenen mentalen Zuständen auseinanderzusetzen. Nur in dem ich bereit bin, mich buchstäblich „zum anderen umzudrehen“, kann ich eine tragfähige (Führungs-)Beziehung schaffen.

Der nächste Impuls kam von Oskar Dohrau. Was passiert, wenn plötzlich alle führen (können)? Oskar Dohrau kann ein Lied davon singen, denn er hat im eigenen Betrieb Holacracy, ein hierarchiefreies Unternehmensmodell, eingeführt und uns von seinen Erfahrungen berichtet. Hierbei wird Selbstorganisation zum zentralen Prinzip. Leadership kann dann auch heißen, die eigenen, über Jahre antrainierten Führungsinstinkte zu ignorieren und stattdessen die anderen dabei zu unterstützen die eigene Führung zu finden.

Den Abschluss des Vormittags machte Valentina Hornek. Als Mitarbeiterin bei Otago Online Consulting beschrieb Valentina was passiert, wenn Individualität die Führung übernimmt. Dann nämlich geben zunehmend die individuellen Talente und Fähigkeiten vor, was passiert und vor allem WIE es passiert. Die wohl angenehmste Nebenwirkung dessen ist, dass selbstgestaltete Prozesse einen hohen Grad an persönlicher Identifikation mit sich bringen. Einfach weil jeder ein Stück von sich – seiner/ihrer Individualität – gegeben hat.

Nach der Mittagspause begleiteten uns die übrigen, ebenso spannenden ImpulsgeberInnen durch den Nachmittag und luden im Anschluss an die 15-Minuten-Impulse zu weiteren Dialogrunden in der Gruppe.

Petra Augustyn, Expertin für künstliche Intelligenz eröffnete den Nachmittag. Keine Sorge! In den nächsten 200 Jahren brauchen wir uns keine Sorgen darüber zu machen, dass alle Arbeitsplätze von Robotern besetzt werden. Stattdessen besteht Leadership heute gerade darin, die zunehmende Technisierung immer auch ethisch zu hinterfragen und mögliche Folgen für die Betroffenen zu bedenken. Wie effizient wir sind, kann Technik bestimmen, ob ihre Nutzung jedoch moralisch vertretbar ist, kann und muss am Ende immer der Mensch beurteilen.

Christian Aigner ist als Fachbereichsleiter bei Vertretungsnetz damit konfrontiert, dass ab 2018 eine Gesetzesänderung die Führung übernimmt. Mit der Gesetzesänderung zur Sachwalterschaft kommen viele Neuerungen, die vor allem auf die Zusammenarbeit und die persönlichen Einstellung und Haltung der MitarbeiterInnen einen Einfluss haben wird: ging es bisher darum, besachwaltete Menschen (vor sich selbst) zu schützen, ändert sich nun aufgrund der Gesetzesänderung der Blickwinkel darauf, besachwalteten Menschen möglichst viel Entscheidungsfreiheit zu geben. Zu dieser Änderung des Grundverständnisses der Arbeit der Sachwalter kommt noch dazu, dass in kurzer Zeit 120 neue MitarbeiterInnen in die Organisation integriert werden müssen, da die Aufgabengebiete zunehmen.

Judith Klaiber ist Theologin, Universitätsassistentin und Expertin für Leadership und Werte. Sie hat sich und uns gefragt, was passiert, wenn Tugenden die Führung übernehmen. Erscheinen sie zunächst abstrakt und verstaubt, zeigt sich schnell, dass sie als persönliche Eigenschaften und Handlungsprinzipien nichts an Aktualität eingebüßt haben. Im Gegenteil, Führung welche sich an – manchmal abstrakt anmutenden – Werten orientieren soll, erhält durch die Berücksichtigung von Tugenden eine konkrete Ergänzung, in dem sie uns immer wieder die Arbeit an uns selbst ins Gedächtnis ruft.

Den Abschluss der ImpulsgeberInnen machte Lars Fehmer. Als Projektmanager bei Agfa Healthcare hat er bottom-up mit seiner Projektorganisation einen Veränderungsprozess im Unternehmen angestoßen. Die interne Zusammenarbeit zwischen den beiden Abteilungen Vertrieb und Projektorganisation lief nicht reibungsfrei und das zeigte sich in einer spürbaren Kundenunzufriedenheit und sinkenden Projektmargen. Mit Hilfe eines Beratungshauses machte er das WIE des Miteinanders bei Agfa zum Thema. Bestehende Prozesse wurden beibehalten, stattdessen änderten sich jedoch die Haltungen der einzelnen Abteilungen zueinander. Ein wertschätzender Umgang brachte bessere Abstimmung zwischen Vertrieb und Projektteam und führte damit schließlich – auch zahlenmäßig – zu erfolgreicheren Projekten.

Die abschließende Rekapitulation des diesjährigen Wiener Leadership Kongresses lieferte der Poetry-Slammer Manuel Thalhammer. Mit seinen genauen Beobachtungen der vergangenen eineinhalb Tage, führte er uns lyrisch wie humoristisch vor Augen, was Keynotes, Inputs und Diskussionen klargemacht haben: wenn äußere Faktoren oder Krisen die Frage aufwerfen, wer die Führung übernimmt, ist dies im konkreten Fall oft schwierig zu entscheiden. In allen Fällen besteht der Unterschied zwischen bloßer Führung und gelungener Führung jedenfalls in der Fähigkeit aufeinander einzugehen, ein gemeinsames Verständnis der Situation herzustellen und einander Vertrauen entgegenzubringen.

Fotocredit: (c) Karina Schneider für den Wiener Leadership Kongress 2017

 

Wenn der Chef eine Maschine ist.

Ein Gastbeitrag von Petra Augustyn zu ihrem Impulsvortrag am Wiener Leadership Kongress 2017

Schon in den 1960iger Jahren antizipierte STAR-TREK-Autor Gene Rodenberry ein Szenario, in dem eine Maschine die Herrschaft über das Raumschiff Enterprise übernehmen – und damit Captain Kirk das Ruder aus der Hand nehmen sollte. Schon damals spielte man mit einem Szenario künstlicher Intelligenz. Damals herrschte ein früher Zeitgeist. Man las Marcuse, Hesse und Fromm lieber als Marx, Sartre und Freud. Wer besonders klug sein wollte, las Heidegger und McLuhan. Die alte Besatzung war ein, ohne Penetranz inszeniertes, politisch inkorrektes Abbild der Weltlage. Der Russe Chekov, Chinese Sulu und natürlich Lieutenant Uhura, die Frauen-Movement und Schwarzen-Bewegung in sich verband, machten das Raumschiff zur kleinen UNO. Somit praktizierte STAR TREK zur Zeit des Vietnamkriegs eine frühe und vorbildliche Form einer Art Entspannungspolitik. Auch die Auseinandersetzung mit technischen Entwicklungen, die die Menschheit massiv beeinflussen könnten, wurden in STAR TREK, vielfach durch die Euphorie der Mondlandung aufgezeigt. Die Enterprise war auf Entdeckungsreise, neue Planeten und Galaxien für die Menschheit zu finden. Doch dabei war sie – und das sollte uns zu denken geben – stets streng hierarchisch organisiert.

 

Das Jahr 2268 und die Superintelligenz M-5

Die USS Enterprise, unter dem Kommando von Captain James T. Kirk, wird zu einer Mission berufen. Die Enterprise soll ein Testschiff für einen revolutionären, taktischen Computer namens M-5 Multitronic Unit sein, entworfen vom brillanten Dr. Richard Daystrom. Die Superintelligenz M-5 wird dabei die Schiffsfunktionen und das Kommando über das Raumschiff übernehmen. Captain Kirk ringt mit seinem Unbehagen über den Fortschritt in der Technologie und überdenkt seine eigene mögliche Veralterung…

“Es gibt gewisse Dinge, die Männer tun müssen, um Männer zu bleiben.”
Kirk an Daystrom, nachdem der M-5 auf der Enterprise installiert wurde.

Im Laufe der Testphase zeigen sich zunehmend Unterschiede und Widersprüche in den Entscheidungen von M-5 und Kirk. Bei einem Landgang definiert M-5 Kirk und Mc Coy als „unwesentliches Personal“ und empfiehlt Astrobiologen Phillips auf den Planeten zu beamen. Währenddessen beobachtet Scotty, dass die Leistung auf den Decks 4 und 5 zusammen mit den Umgebungskontrollen für jedes Deck reduziert wird. Er spürt die Quelle der Stromausfälle auf und erkennt, dass sie durch M-5 verursacht werden. Kirk und M-5-Vater Dr. Richard Daystrom geraten aneinander. Kirk kritisiert Daystrom, dass M-5 nur Informationen verarbeiten kann, die ihm zuvor eingegeben werden. M-5 kann keine Werturteile abgeben. Daystrom weist dies zurück und beschreibt M-5 als einen völlig neuen Ansatz für Logiksysteme.

“Computer sind ausgezeichnete und effiziente Diener, aber ich habe nicht den Wunsch, unter ihnen zu dienen.“
Captain James T. Kirk.


Schlüsselattribute menschlicher Führung

Plötzlich wird die Enterprise von zwei Schiffen der Föderation anvisiert: ein simuliertes Kriegsspiel soll Erkenntnisse bringen, wie M-5 auf feindliche Schiffe reagiert. M-5 reagiert hier umgehend und manövriert das Schiff schneller, als es ein menschlicher Befehlshaber getan hätte. Sogar Spock stellt mittlerweile fest, dass so etwas wie ein Computer, der ein Raumschiff navigiert, nicht wünschenswert ist und erklärt, dass ein Schlüsselattribut der menschlichen Führung Loyalität gegenüber der Besatzung, der Föderation und der Menschheit sei. Währenddessen hat M-5 die Macht auf der Krankenstation übernommen und saugt immer mehr Strom ab. Kirk zieht sich in sein Quartier zurück, um über den immer erfolgreicher werdenden M-5 nachzudenken. Währenddessen greift M-5 unmotiviert ein Schiff der Föderation mit Photonentorpedos an und zerstört es, obwohl es absolut keine Bedrohung für die Enterprise darstellt. Captain Kirk versucht, M-5 vom Strom zu nehmen, um die manuelle Kontrolle über das Schiff wiederzuerlangen. Dr. Daystrom versucht immer noch, Ausreden und Erklärungen dafür zu finden. Kirk wird wütend. Er verlangt von Daystrom, M-5 sofort abzuschalten, aber Daystrom besteht darauf, dass er M-5 zuerst korrigiert. Währenddessen versucht Scotty M-5 Kraft zu entziehen. Dabei verbrüht M-5 einen Techniker mit einem Dreizack-Scanner so stark, dass er stirbt. Entsetzt und wütend beschimpft Kirk Daystrom dafür, dass er nicht in der Lage und nicht willens sei, M-5 zu deaktivieren. Daystrom entschuldigt sich weiterhin für das Verhalten von M-5 und beharrt darauf, dass der Techniker M-5 einfach im Weg stand und das sein Tod keine absichtliche Handlung gewesen wäre. Darauf stellt Kirk  Dr. Daystrom eindringlich die Frage, wie lange es wohl dauern würde, bis jeder auf der Enterprise M-5 in den Weg komme…

“Ich behaupte einfach, dass Computer effizienter sind als Menschen, nicht besser.”
Dr. Richard Daystrom


Diener welches Herrn?

Die leitenden Mitarbeiter auf der Enterprise arbeiten gemeinsam an einem Plan, um die Kontrolle zurückzugewinnen, indem sie sich auf eine bestimmte Relaiseinheit zwischen M-5 und der Brücke konzentrieren. Daystrom dagegen verteidigt M-5 weiterhin und sagt, die Intelligenz lerne, und außerdem würde der Fortschritt von M-5 den Menschen von gefährlichen Aufgaben befreien und Leben retten. McCoy bemerkt später gegenüber Kirk, dass Daystrom auf den Computer reagiert, wie ein Vater auf sein Kind. Spock beginnt währenddessen das unlogische Verhalten der M-5 Einheit zu notieren. Daystrom erklärt, er habe menschliche Engramme auf die Relais gepresst. Die Relais sind den Synapsen im Gehirn nicht unähnlich. M-5 bittet beim Oberbefehlshaber des Sternenflottenkommandos (Anm.: dem Chef von Captain Kirk) alle Schiffe der Föderation zerstören zu dürfen. Jetzt, wo M-5 nachweislich einen Mord begehen will, konfrontiert Kirk Dr. Daystrom erneut damit, M-5 zu deaktivieren. Daystrom wird daraufhin ungehalten und betont, dass er die Engramme, die in der Maschine eingeprägt sind, nicht verändern könne und, dass sein Renommee auf dem Spiel stehe. Spock bemerkt, dass die Selbsterhaltung, die der M-5 zeigt, wahrscheinlich eine Folge von Daystroms Engrammprägung ist: er wollte mit M-5 sein Abbild erschaffen. Kirk selbst versucht nun den Computer dazu zu zwingen, seine Verantwortung für den Tod von hunderten von Menschen zu erkennen. Tiefes Bedauern über die Todesfälle fühlend, schaltet M-5 schließlich von selbst ab. Spock und Scotty trennen dann den Computer von der Kontrolle des Schiffs. Kirk befiehlt eine Rückkehr zu Starbase.


Zukunftsvisionen zwischen gestern und morgen

Beamen wir uns wieder zurück ins Hier und Jetzt. Einst spielte STAR TREK ironisch mit einem liberalen Optimismus und expansionistischen Geist eines Commander James T. Kirk, der das New-Frontier Denken der Kennedy-Generation spiegelte, und im ironischen Egghead-Fanatismus eines Dr. Spock und in der skeptischen Humanität eines Pille McCoy Gegenpole vorgesetzt bekam. Es zeigte uns, dass humane Intelligenz, eine generelle, mentale Leistungsfähigkeit ist, die unter anderem die Fähigkeit besitzt, Schlussfolgerungen ziehen zu können, Probleme lösen und abstrakt denken zu können, komplexe Ideen nachvollziehen zu können, schnell von Erfahrungen zu lernen und dabei mit seiner Umwelt und den Mitmenschen in einer empathischen Wahrnehmung zu sein.

Seit den 1960 hat sich im Selbstverständnis der Computernerds und Futuristen wenig verändert. Das Moore´sche Gesetz (Computerleistung verdoppelt sich alle 18 Monate) ist weiter intakt. Vor Jahren jedoch begannen Physiker davor zu warnen, dass ein Ende des Moore´schen Gesetzes ab den 2020 Jahren absehbar sei. Somit wäre das Silizium Zeitalter und die dazugehörigen Chips, die uns in jedem Handy, Laptop etc. als Informationsspeicher dienen, obsolet. Das Silicon Valley würde zum Rostgürtel mutieren, weil die großen Firmen wie Facebook, Uber oder Google auf der Silizium Chip-Technologie aufgebaut sind. Es sei denn man fände bis dahin eine Ersatztechnologie. Nach den Gesetzen der Physik würde ab hier die Quantentheorie übernehmen  – wie das auf der Enterprise bereits Realität wurde. Materie dematerialisieren um dann wieder zu materialisieren (=beamen) wird allerdings nicht ad hoc möglich sein. Die Computerleistung würde immer noch exponentiell wachsen, doch die Verdoppelzeit verkürzt sich von monatlich zu mehreren Jahren. Für die Wirtschaft würde das bedeuten, dass neue Player auf den Markt rücken. Riesige Summen stünden auf dem Spiel. Zudem könnte die Antwort auf diese physikalische Frage die ökonomische Struktur des Kapitalismus zutiefst erschüttern.

In der damaligen digitalen Zukunftsvision schien letztlich alles möglich zu sein, doch das Kommando übergab James T. Kirk niemals an eine künstliche Intelligenz ab, sondern lediglich an Captain Jean-Luc Picard und seiner Next Generation.

Text: Mag. Petra Augustyn, Unternehmerin und Expertin für künstliche Intelligenz; www.ktschng.com

Fotocredit: Fotolia.com #138370443  © Natalia80

Wer will spielen? Gamification, innovatives Leadership und die Zukunft unserer Arbeitswelt

Emotionen, Gefühle und Kreativität im Berufsalltag zu zulassen, Menschen bei ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen – das sind wichtige Ansatzpunkte für gutes Leadership. Spielen kann dabei helfen.

Lena Marie Glaser hat auf ihrem Blog BASICALLY INNOVATIVE eine Zusammenfassung des Keynote-Abends des Wiener Leadership Kongresses 2017 geschrieben: nachzulesen hier.

Fotocredit: Free stock photo: pexel.com art-blue-boat-194094 (c) Miguel Á. Padriñán