Freedom’s just another word for nothing left to lose…“ (aus „Me and Bobby McGee“ von Janis Joplin)

Freiheit stand im Mittelpunkt des Wiener Leadership Breakfasts im Juni. Das Zitat aus Janis‘ Joplins Song war ein spontaner Einstieg in unsere Gesprächsrunde – wie immer sehr reich an Ideen und vielfältigen Richtungen. Und dieser Einstieg hat uns gleich zur inneren Freiheit geführt.

Zwang?

Viktor Frankl machte schon vor einigen Jahrzehnten den bekannten Ausspruch: Die Freiheit ,»hat« man nicht – wie irgendetwas, das man auch verlieren kann –, sondern die Freiheit »bin ich«. Für ihn geht also bei Freiheit um eine geistige Fähigkeit. Er meinte, die Nazis konnten ihm alles nehmen, nur nicht seine Sicht auf die Dinge. Und den Sinn im Erlebten zu finden war seine Freiheit mit den Geschehnissen umzugehen. Die Hingabe an das Leben und seine Prüfungen.

Egal also, wieviel objektive Freiheit wir besitzen, die innere Freiheit bzw. die Entscheidung dafür kann uns nie genommen werden. So kamen wir zur Hypothese, dass wir nicht frei sind, solange wir „Freiheit“ brauchen. Solange wir uns dem, was ist, nicht vollständig hingeben können, sei Freiheit „nur“ ein Zwang. Wahrlich eine Herausforderung für die meisten von uns.

Geld und Freiheit
Und schon bald landeten wir im Zusammenhang mit Freiheit beim Thema Geld. Geld bedeutet oftmals Freiheit. Doch gibt es Studien, die sagen, dass ab ca. 80.000 bis 100.000,- Jahreseinkommen weder Glücks- noch Freiheitsgefühl zunehmen würden. Das ist natürlich für ganz viele Menschen ein Betrag, über den sie nie verfügen werden können. Insofern mögen an dieser Stelle wohl einige sagen, dass das ein schwieriger Vergleich sei. Trotz allem fanden wir es interessant, dass es offenbar eine finanzielle Schwelle gibt, über die das Gefühl der Freiheit nicht mehr zunimmt.

Es gibt viele Menschen, die mit ihren Einkommen weit entfernt sind von Beträgen dieser Höhe und sich trotzdem als „reich“ bezeichnen. Und das hat mit innerem Reichtumsbewusstsein zu tun. Dazu gibt es vier Varianten: die erste: äußerlich reich zu sein, sich aber innerlich arm zu fühlen. Wahrscheinlich trifft diese Form heutzutage auf viele Menschen in der westlichen Welt zu. Nehmen wir mal nur die so häufige Unzufriedenheit, Neid und Missgunst bis hin zur Korruption als Beispiel. Die zweite Variante ist äußerlich arm zu sein, sich aber innerlich reich zu fühlen. Schließlich gibt es noch äußerlich arm und innerlich arm.  Äußerlich reich und innerlich reich ist dann die vierte Variante.

Unser individuelles Reichtumsbewusstsein liegt somit in unserer Hand: wir können entscheiden, wie wir uns innerlich fühlen wollen. Womit wir wieder bei Frankl wären…

Äußerer Ballast

Äußerlich reich zu sein bedeutet durchaus auch, eine Menge an (materiellem) Ballast zu besitzen. All jene in unserer Runde, die schon öfter mit dem Tramperrucksack unterwegs waren, haben davon erzählt, wie unglaublich erleichternd und angenehm es war, mit ganz wenig Gepäck und Kleidung unterwegs gewesen zu sein. Oder draufzukommen, dass man all die Dinge, die man z.B. in Lagern oder Kellern eingelagert hatte, nach Jahren weder vermisste noch brauchte.

Freier Wille?

Und nochmal auf Frankl zurückkommend führte uns das zum freien Willen und der Frage, ob ein freier Wille tatsächlich existiere. Oder ob es nicht eher ein freies Wollen sei, das uns immer wieder zeigt, dass wir zwar etwas wollen können, aber dass das noch lange nicht bedeutet, etwas zu bekommen oder zu erreichen. Was uns wieder zur Hingabe an das Leben bringt, wie schon eingangs kurz erwähnt.

Dazu auch der bekannte Neurophysiologe Wolf Singer:

“Dass Menschen aus freiem Willen über ihr Handeln bestimmen, sei eine Illusion […]. Natürlich bin ich für meine Entscheidungen verantwortlich, denn ich bin es, der sie trifft und andere können mir diese Handlungen zurechnen. […] Was wir tun oder lassen, entscheidet nicht unser unabhängiger Wille, es hängt vielmehr ab von angeborenen Möglichkeiten, Erziehung und anderen Umweltfaktoren, die Strukturen und Verschaltungen in unserem Gehirn prägen. Was wir tun, ist Folge des unmittelbar vorausgehenden Zustands unseres Gehirns, von dem wir nur wenige Variablen bewusst kontrollieren“, erklärt Singer. „Plus ein bisschen thermisches Rauschen, also auch ein wenig Zufall.“  (Quelle: http://www.guenzl.net/wissen/wsinger.htm)

Wertfrei

Freiheit entsteht also immer dann, wenn wir uns dem hingeben können, was gerade um uns herum ist, auch, wenn es vielleicht gerade wenig erfreulich scheint. Je mehr wir innerlich in Widerstand damit gehen, desto geringer wird unser Gefühl der Freiheit. Unser Geist und unser Blick auf die Welt bestimmt also unseren gefühlten Freiheitsbegriff und vice versa. Denn grundsätzlich ist alles wertfrei. Die Bewertung erschaffen wir Menschen. Wenn wir uns also wieder einmal unfrei fühlen, kann es hilfreich sein, sich das bewusst zu machen.

 

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