Andreas Santner

Andreas Santner

Was passiert, wenn das Rudel führt – oder „Das Alphatier als Musketier“

Stellen Sie sich folgende Aufgabe vor: Sie müssen ein Team aus echten Alphatieren zusammenstellen, das in Extremsituationen ein Höchstmaß an Effizienz und Teamgeist unter Beweis stellen muss. Jede und jeder ein High-Performer, bereit, alles zu geben und die eigenen Kompetenzen einzubringen. Und doch darf keine und keiner aus der Reihe tanzen, Alleingänge könnten unabsehbare Folgen haben. Zusätzlich muss dieses Team mit anderen Organisationen zusammenarbeiten, die in der jeweiligen Situation über mehr Befugnisse und Entscheidungsmacht verfügen. Als Lohn für die schwierige Aufgabe werden keine Superboni in Euro oder Dollar ausgezahlt, die Währung ist – im besten Fall – Anerkennung für lupenreinen Idealismus. Höchste Motivation ist vorausgesetzt: Ihr Team ist nur dadurch verbunden, dass es ihm um das gemeinsame Erreichen des Zieles geht, und gleichzeitig muss es sich mit Diplomatie und Fingerspitzengefühl in eine übergreifende Zusammenarbeit einordnen.

Ein unmögliches Szenario? Realitätsferne Spinnerei? Für die Salzburger Rettungs- und Suchhundestaffel stellt diese Erfahrung den organisationalen Normalfall dar. Jede Hundeführerin und jeder Hundeführer muss Alphatierqualitäten beweisen, denn nur so kann sie oder er perfekt mit dem eigenen Hund interagieren. Und das bedeutet auch, dass der Hund führt, wenn seine Spürsinnqualitäten gefragt sind. Überdies sind alle durch ein Höchstmaß an Idealismus verbunden. Sie entwickeln und pflegen ihren Teamgeist im Sinne höchster Tugend – als gemeinsame Arbeit am Ziel, anderen zu Hilfe zu eilen und dabei selbst große Risiken auf sich zu nehmen. Dies schließt selbstorganisierte Ausbildungen, Übungen, Weiterbildung, Austausch usw. ein. All dies auf ehrenamtlicher, freiwilliger Basis.

Menschen mit völlig unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen (und Hunde völlig unterschiedlicher Rassen) bringen also viel an Zeit und Mühe ein, um für schwierige Einsätze vorbereitet zu sein. Und das hohe Maß an Selbstverantwortung und Eigenregie in der Gestaltung der organisationalen Tätigkeiten muss dann noch in die komplexe Kooperation mit anderen Einsatzkräften eingebettet werden. Denn vor Ort, im Ernstfall, haben andere das Sagen: Polizei und Behörden zum Beispiel, mit denen man sich abstimmen muss. In vielerlei Hinsicht kann die Hundesuchstaffel als Beispiel für Führung durch Eigenverantwortung, Teamgeist, übergreifende Zusammenarbeit und Idealismus gelten. Unschätzbar viel können demnach alle Organisationen von diesem Verband aus Menschen und Tieren lernen. Denn von welcher Organisation könnte man nicht behaupten, dass es in ihr tierisch menschelt?

Andreas Santner ist Diplom-Kommunikationskaufmann und seit 9 Jahren Geschäftsführer der IGL Werbedienst GmbH mit Hauptsitz in Salzburg. IGL ist eine europaweit agierende Werbeagentur mit Schwerpunkt Tourismuswerbung. Getrieben von seinem Innovationsgeist ist er beliebter Sparingpartner für europäische Touristiker. Sein Lieblingsthema ist die Schaffung neuer Werbeformen, die er mit seinem europäischen Netzwerk erfolgreich konzipiert. Um Sprachen, Kulturen, andere Länder und den Tourismus zu studieren war er vier Jahre lang weltweit unterwegs, bevor er im Tourismusteam von IGL seinen Platz und seine Berufung gefunden hat.

Sein Herz schlägt aber nicht nur für den Tourismus, sondern auch für soziales Engagement. Seit 25 Jahren ist er Hundeführer der Salzburger Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel. Seit 20 Jahren im Vorstand und seit nunmehr 13 Jahren Staffelleiter dieser ehrenamtlichen Organisation. Die Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel ist eine offizielle Rettungseinheit des Bundelandes Salzburg, im Landesrettungsgesetz als „besonderer Hilfsdienst“ verankert und die Mitglieder stehen zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit, in Not geratenen Menschen zu helfen. Im Winter bei Lawinen und im Sommer für vermisste Personen.